Alleine reisen als Frau

Alleinreisen als Frau: 10 Erfahrungen, die mich verändert haben

Alleinreisen als Frau bedeutet für mich: selbstbestimmt reisen, eigene Ängste verstehen lernen und unterwegs Vertrauen in sich selbst aufbauen.

Alleine reisen klingt für viele nach Mutprobe, Selbsterfahrung oder mindestens nach der Frage: „Und… wird dir da nicht langweilig?“

Spoiler: Nein. Aber gelernt habe ich trotzdem eine ganze Menge.

Reisen ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Es gibt Pauschalreisen, Roadtrips, Gruppenreisen. Und dann gibt es das Alleinreisen.

Und ich liebe es. Sehr!

Nicht, weil ich besonders mutig bin. Sondern weil ich unterwegs unglaublich viel über mich gelernt habe.

Meine Erfahrungen als alleinreisende Frau haben meine Sicht auf Freiheit, Angst, Gelassenheit und Vertrauen komplett verändert.

Welche Learnings das sind? Genau die teile ich jetzt mit dir.

1. Alleine reisen als Frau: Nicht einsam, sondern frei

Ich bin so dankbar dafür, auf meinen Reisen selbst entscheiden zu dürfen, wann ich Gesellschaft haben möchte und wann eben nicht. Wahrscheinlich deshalb bin ich auch nicht der Typ für Gruppenreisen. Hallo Freiheit? Selbstbestimmung, wo bist du? Bei der Vorstellung bindet sich mein Fernweh direkt ans Sofa fest.

Als Alleinreisende lernst du, deinem eigenen Rhythmus zu folgen. So mache ich gerne Touren, die ich spontan vor Ort buche. Eine gut dosierte Portion Geselligkeit. Genau das ist eine meiner wichtigsten Erfahrungen beim Alleinreisen als Frau: Nähe und Rückzug selbst bestimmen zu dürfen.

Auf Madeira gibt es zum Beispiel geführte Wandertouren. Mein Hostel in San Francisco bietet Stadt-Führungen bis hin zur Fahrrad-Tour über die Golden Gate Bridge an. Sehr praktisch, da du alle Teilnehmer danach wieder im Hostel triffst. In europäischen Städten sind die „Free Walking-Touren“ unter Alleinreisenden sehr beliebt. Dort bin ich danach oft mit einigen Leuten weitergezogen.

Und wenn dein sozialer Akku leer ist, bleibst du halt einfach im Bett. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne eine Tour, die du ausfallen lässt oder Menschen, die du enttäuschst.

2. Ersetze die Angst durch Neugier

Jedes Mal am Abend vor meiner Abreise: Die Idee morgen alleine loszureisen halte ich dann für gaaaanz schlecht. Jedes Mal. Egal ob Österreich oder Kanada.

Denn dann listet mein Hirn plötzlich viele Gründe auf, wieso es Zuhause viel sicherer und entspannter ist. Gründe, die mich in der Nacht wach liegen lassen. Super Bilder übrigens, um daraus ein Trailer für einen Horrorfilm zu drehen. Aber genau in diesen Momenten hilft mir die wissenschaftliche Sicht auf meine -ich weiß eher übertriebenen – üble Gefühlslage.

Merke dir das: Unser Hirn liebt es bequem und möchte keine Energie verschwenden.

Und so ein Sprung aus der Komfortzone? Da trotzt dein Hirn wie ein bockiges Kind und dreht so richtig auf. Soloreisen? Ein Endgegner für dein Hirn. Kostet nämlich erstmal Energie in Form von Neuem (= deinem Hirn fehlen die Gewohnheiten), anderer Tagesablauf (= wo ist denn die Routine), unvorhergesehene Erlebnisse (=Sicherheit in Gefahr!).

Alleine der Mut kostet Energie. Wie sehr er sich auch lohnt und dich strahlen lässt. Aber: dein Hirn hat die Aufgabe, Energie zu sparen. Nicht mehr, nicht weniger. Und es tut alles, damit es im Chill-Modus bleiben darf. Und deine Ängste sind reine Abwehrmechanismen.

Also besiege deine Angst mit deinem Wissen über die Hirnforschung. Beschäftige dich damit, denn das beruhigt mich im Vorfeld jedes Mal. Es ist alles nur in deinem Kopf.

Zugegeben, bei mir sind sie immer noch da, aber ich begrüße sie (zwar genervt)und akzeptiere sie. Denn ich weiß jetzt: einmal auf Reisen, sind sie verschwunden.

Also entscheide dich dafür deine Angst durch Neugier, Vorfreude und Aufregung zu ersetzen. Gerade beim alleine Reisen als Frau ist Angst oft lauter als die Realität. Und fast immer unbegründeter, als sie sich anfühlt. Denn es wird der Moment auf deiner Soloreise kommen, in dem du sagst: Yesss, ich bin stärker als meine Ängste!

3. Du musst kein hipper Backpacker sein, um alleine zu reisen

Vielleicht kennst du auch die klassische Vorstellung eines Backpackers. Also das war meine vor 20 Jahren (Internet war da noch nicht soo..): Jesuslatschen, hippes Stirnband, Haremshose und vor allem einen 30kg Rucksack auf den Schultern. Und das Schlimmste an meinen Vorstellungen? Dass ich diesen Erwartungen entsprechen müsste.. Ok, ich habe mich für Sneakers entschieden und Stirnband und Harems-Hose ist auch nicht meins. Aber der Rucksack? Der blieb.

Und spätestens als ich die steilste Straße der Welt hochgegangen bin (in Dunedin, Neuseeland war´s), habe ich es bereut und beschlossen: nö, Rucksack war schön mit dir, aber auf meiner nächsten Reise brauche ich was mit Rollen.

Und seitdem rolle ich mich zufrieden durch die Straßen dieser Welt. Alleinreisen bedeutet nicht Verzicht, sondern Freiheit. Und das auch in der Art, wie du reist.

Mein Trolley ist sportlich, bunt und weich. Und bietet meinen Beinen oder Kopf beim Warten eine schöne Portion Entlastung. Und vor allem mein Rücken freut sich!

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Dieser Spruch macht seitdem für mich sehr viel Sinn. Denn du darfst dich auf den Weg machen. Auch wenn du erstmal reist wie alle anderen. Solange du es nicht besser weißt, ist es erlaubt nachzumachen. Irgendwo musst du ja anfangen, oder? Denn nur dann findest du raus, wie es sich anfühlt. Und mit dem Wissen kannst du starten, deinen eigenen Reise-Lifestyle zu gestalten. Genauso, wie du es möchtest. Reise für Reise (oder halt Rolle für Rolle ;).

4. Alleine reisen ist nicht langweilig

Wird dir nicht langweilig?

Diese Reaktion steht auf der Pole-Position alle Fragen, die ich bekomme, wenn ich von meinen Reiseplänen erzähle.

  1. Ich weiß sofort, dass diese Person noch nie alleine gereist ist. Eine Diskussion anfangen? Mich rechtfertigen? nö! Verstehen wirst du alleine reisen nämlich erst, wenn du es erlebt hast.
  2. Langeweile ist eine Frage der Perspektive. Für mich gehört genau das zu den wertvollsten Solo-Reisen Erfahrungen überhaupt. Denn lange zu verweilen ist in der heutigen Zeit für mich ein Luxus und besonders wertvoll. Denn wann entsteht diese? Wenn du keine Pläne hast, deine To-Do Liste leer ist, deine Energie futsch ist. Wir sind in der heutigen Zeit leider darauf getrimmt, immer was zu tun zu haben. Und Langeweile? Löst bei uns auch erstmal ein schlechtes Gewissen aus. Aber gerade in diesem Gefühl der langen Weile liegt so viel Potential.
  3. Frage dich, was Langweile mit dir macht. Die Abwesenheit von Aufgaben, Erwartungen und Ablenkungen spült oft Dinge nach oben, die wir ansonsten erfolgreich unterdrückt haben. Die inneren Stimmen werden lauter. Vielleicht auch eine Leere. Ganz schön viel Raum, der gefüllt werden darf, oder? Ich lade dich ein, Langweile als Chance zu nutzen. Stelle dir Fragen: Was wollte ich schon immer gerne machen? Was bringt mir Freude? Was möchte ich sehen? Welche Umgebung tut mir gut? Welche Menschen möchte ich um mich haben? Langweile zu verspüren ist nicht falsch. Denn sie hilft uns dabei zu entspannen, Gedanken fließen zu lassen. Und hilft uns zu guter Letzt über die Dinge klar zu werden, mit denen wir unser Leben zu gestalten möchten.

Und spätestens als ich die steilste Straße der Welt hochgegangen bin (in Dunedin, Neuseeland war´s), habe ich es bereut und beschlossen: nö, Rucksack war schön mit dir, aber auf meiner nächsten Reise brauche ich was mit Rollen.

Und seitdem rolle ich mich zufrieden durch die Straßen dieser Welt. Alleinreisen bedeutet nicht Verzicht, sondern Freiheit. Und das auch in der Art, wie du reist.

Mein Trolley ist sportlich, bunt und weich. Und bietet meinen Beinen oder Kopf beim Warten eine schöne Portion Entlastung. Und vor allem mein Rücken freut sich!

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Dieser Spruch macht seitdem für mich sehr viel Sinn. Denn du darfst dich auf den Weg machen. Auch wenn du erstmal reist wie alle anderen. Solange du es nicht besser weißt, ist es erlaubt nachzumachen. Irgendwo musst du ja anfangen, oder? Denn nur dann findest du raus, wie es sich anfühlt. Und mit dem Wissen kannst du starten, deinen eigenen Reise-Lifestyle zu gestalten. Genauso, wie du es möchtest. Reise für Reise (oder halt Rolle für Rolle ;).

5. Gute Vorbereitung reduziert deine Angst

9.Klasse. Referat. Vorlesen. Die gesamte Klasse vor dir.

Na? Stellen sich dir auch die Nackenhaare auf und du bekommst Gänsehaut?

Boah, was habe ich es gehasst. Bzw. was habe ich mich nachher geschämt: weil meine Stimme so gezittert hat. Weil mein Herz so laut geschlagen hat. Weil ich Angst hatte. Und das Schlimmste waren die ängstlichen Gedanken davor: Zu versagen. Überfordert zu sein vor unvorhersehbaren Reaktionen von Mitschülern oder fiesen Fragen meines Lehrers.

Und genau diese Angst vor dem Ungewissen haben mich auch vor jeder Soloreise irregemacht. Nachts haben meine Nerven und Ängste ’ne mega Party gefeiert.

Meine Lösung? Ganz einfach: Gute Vorbereitung! Gerade am Anfang helfen diese kleinen Sicherheitsnetze enorm, wenn du alleine reist und Erfahrungen sammelst.

Angst, deine Kreditkarte zu verlieren und ohne Geld dazustehen?

Besorge dir zum Beispiel zwei Kreditkarten (oder drei) plus eine Girokarte. Verstaue sie an verschiedenen Orten. Hab Bargeld dabei (an verschiedenen Orten), Telefonnummern der Banken gespeichert und kenne deinen Paypal Zugang auswendig. Alle Infos und Zugänge, Fotos der Karten abgelegt online in der Dropbox, ausgedruckt und nochmal gespeichert auf einem USB-Stick.

Verfahre so mit deinem Reisepass, Krankenversicherung, Hotelbuchungen, Autovermietung.

Du bist ein Experte darin, Altraumszenarios zu produzieren? Dann nutze sie und biete jedem Alptraum einen Traum entgegen. Der Traum von einem unkomplizierten Urlaub, der sich leicht und zuversichtlich anfühlt. Bestens vorberietet auf Krankheit und Diebstahl. Hilft. Glaub mir! Denn dann nimmst du der Angst den Wind aus den Segeln. Und es ist ok! Gerade am Anfang gibt es dir Sicherheit. Und das wichtigste? Es hilft dir dabei, überhaupt auf Reisen zu gehen.

6. Ich muss nicht alles alleine machen

Ich muss meine Probleme alleine lösen. Kommt dir das bekannt vor?

Dann sag ich dir: Vergiss die Menschen nicht, die du auf deinen Reisen triffst. Alleinreisen heißt nicht, alles allein tragen zu müssen – sondern offen zu bleiben.

Trau dich nach dem Weg zu fragen, frag nach einem Restaurant-Tipp oder verlass dich auf die Ausflugs-Ideen des Hotelmitarbeiters.

Um Hilfe fragen fällt schwer. Aber ich habe auf Reisen genau das gelernt und das hilft mir immens in meinem Alltag.

Thema Gelassenheit. Ich bereite meine Reisen natürlich immer noch gut vor, aber bin mir bewusst: Ich finde immer Menschen, die mir helfen können.

Heute bin ich wegen dieser Erfahrungen viel lockerer geworden und will nicht mehr alles kontrollieren wollen: Ich fahre einfach los. Auf den Azoren und in Florida hatte ich kein Navi gebucht. Google Maps hatte ich auch nicht an. Wieso? Ich vertraue mir, dass ich schon ans Ziel komme. Auch ohne meinen Kontrollzwang.

Und auch mal zu fragen und nicht nur auf meinem Handy nach Antworten zu suchen, hat mich offener gemacht und gelassener! Du musst nicht immer perfekt vorbereitet sein. Lass es auch mal auf dich zukommen. Eins der wichtigsten Dinge, die ich von meinen Reisen in meinen Alltag mitgenommen habe.

7. Gelassenheit, Baby!

Ich bin ein Tollpatsch! Und gleichzeitig bin ich alles andere als dieser gechillte Backpacker, der alles auf sich zukommen lässt. Ungeplanten, negativen Erlebnissen gehe ich lieber durch gute Vorbereitung aus dem Weg. Aber manchmal passieren sie halt doch.:

  • Im Februar nach Island. Zehn Minuten vor Flughafen Frankfurt blickte ich panisch auf meine Rücksitzbank, auf der eigentlich meine Winterjacke liegen sollte.. Nicht da. Also ohne Winterjacke nach Island.
  • Mietwagenstation am Flughafen Malaga: Kaution konnte nicht gedeckt werden, da ich vergessen hatte mein Kreditkartenlimit hoch zusetzen. Es war Sonntag. Eine Änderung des Auftrags bei meiner Bank hätte einen Tag gedauert. Also ohne Mietwagen nach Andalusien.
  • Florida im März: Ich wollte mal ausprobieren, wie es ist, Unterkünfte erst 1-2 Tage vorher zu buchen. Allerdings hab ich verpeilt, dass ich mitten im Spring Break unterwegs war und fast alles ausgebucht war.

Total unnötig, ich weiß. Aber am Ende hat sich alles zum Guten gewendet: Ich habe auf Island die beste Winterjacke gefunden.

Ich weiß jetzt, dass es in Spanien prima Busverbindungen gibt und du den Mietwagen eigentlich gar nicht brauchst und ich liebs, einfach schöne Unterkünfte zu finden und lasse mir diese Vorfreude nie mehr nehmen.

Gelassenheit entsteht, wenn du auch die negativen Dinge nicht als Versagen und Fehler wahrnimmst. Sondern als eine Möglichkeit zu lernen und dich anzupassen. Und bitte nie den Humor verlieren. Heute lache ich über meine Verpeilthe

8. Fotografieren lernst du am besten, wenn du alleine reist.

Erst brauchst du Zeit für die Theorie. Und dann brauchst du Geduld, um zu üben. Und dann weißt du: Fotografieren braucht Zeit. Und keinen Zeitdruck.

Zeit für die Basics. Zeit, um dir die Situation zu schaffen, in der du fotografieren möchtest und noch mehr Zeit, um deinen Stil zu finden. Und Zeit für die Bildbearbeitung.

Und für mich bietet eine Soloreise die beste Möglichkeit, genau das zu lernen. Denn sie schenkt dir das Wichtigste: Zeit in Kombination mit Erholung.

Und die Abwesenheit von Terminen, Kompromissen, Ablenkungen. Alles Dinge, die dich unter Stress setzen. Und vor Stress läuft die Kreativität weg.. Kreativität lebt von positiver Energie. Und einem Umfeld, dass dir Ruhe gibt. Vor allem im Kopf. Zu wissen, ich habe den ganzen Tag am Strand Zeit, Dinge auszuprobieren und ohne irgendwo hin zu müssen, entspannt mich total.

Fotografieren auf deiner Soloreise heißt:

  • Ausprobieren o